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Ursula Krechel Featured

A cura di Chiara De Luca

Veränderungen in der Chronologie

 

War nicht die Straße

zuerst frei für alle?

Immer enger der Kreis

immer windiger die Ausflucht.

Eines ergibt nicht mehr das andere

im Gebirge Orkanböen.

So viel Zeit zur Unwahrheit

zwischen der Nacht und dem Morgen.

So viel Zeit, sich an Sätzen abzuseilen.

Schon entlaubt sich der Baum.

Deutlich die Flucht hinaus hinaus

aus der entfärbten Stadt

in die gepflegte Zeitlosigkeit.

 

Waren die Toten zuerst und haben sie

geredet, waren sie nicht lebendig

ehe sie starben und wer hat sie getötet?

Waren die Täter schon tot?

War die Hand schon kalt

die kaltblütige Hand

wer handelte sie?

So wandern wir mit den Toten

in die Kälte, die erkalten zu sehen

uns die erlassene Blindheit verbietet.

 

 

Mundtot

 

jetzt wieder Angst vor Bekenntnissen

Wallfahrten, Kinderkreuzzügen

verschwisterten Opfermählern:

Daß alles Bekannte schon bekannt sei.

Daß Ruhe herrscht

wo sich das bloßgelegte Herz beruhigt

also nirgends.

Auf Vernünftigkeit folgt Dunkel

auf Dunkel wölfische Heiligkeit.

Nachts höre ich die Schreie der Stummen

oder schreie ich schon selbst, halbwach.

 

 

 

Buchstäblich

 

Entkam oder stürzte ich

in eine Reihe von Tagen

die kein Buchstabe mehr hielt?

Die Straße liegt verlassen

kein Schänder hat seine Schande ausgerufen

den Schächer hält in Schach

der gevierteilte Friede.

 

Immer wieder das weiße Blatt

Schlinge für Schlinge Haken und Bögen

ein geordnetes Bild.

Die Lieder auf der Flucht:

zurückgeschickte Asylanten.

Ein stummes Leben in den Grenzen von …

 

Schmerzlos sind wir und haben fast

Die Sprache in der Fremde verloren.

Friedrich Hölderlin: Mnemosyne (1805)

 

 

 

 

Im achten Haus

 

Wieder Tränen am Nachmittag

beim Blick aus dem Fenster

die Honigkulturen der Angestellten

Primeln Zinnober ein Bienenfleiß für nichts

zusammengekleckerter Kehricht.

Kein Mond will uns scheinen

im müden Licht, keine Sonn

im achten Haus. So ziehen die Wünsche vorüber

haben Vater und Mutter verlassen

kein Land nimmt sie auf

ohne Brief und Siegel und Fingerabdrücke.

Die mit Tränen begossene Erde

zubetoniert bis zum letzten Baum

der klebrige Friede wie lang noch

beim Blick aus dem Fenster

auf dieses Land. Nässe

sprang aus den Augen auf den Beton

beim Blick aus dem Fenster gestürzt.

 

 

 

 

Mein glühend Element

 

Mein glühend Element fing Feuer

lange geschwelt, mager gehalten

bei dürftigster Nahrung

nasse Lappen aufs Herz gedrückt

Taschentücher, Wochenzeitungen

als seis der Weltenbrand.

Mauersegler lassen schon Federn.

 

So seh ich Flüchtlinge mit Tränensäcken

ihr angekohltes Bett geschultert

schweißtreibend im ahnungslosen Wahn:

Gerettet.

 

 

 

Mauerschau

 

Von weitem die gebuckelte Landschaft

Stangenbohnen, Dreifelderwirtschaft

ein Apfelbaum mit schiefer Krone

der nun geteerte, begradigte Feldweg

eine Bestechung zur Landtagswahl

(als Wirtschaftsweg ausgewiesen führt er

über den Berg in die näher gerückte Geschichte

der Erschließung des zwanzigsten Jahrhunderts).

 

Die Stadt verharrt in ihrem Städtischsein.

Pendlerbusse streifen den Saum

des Mittelgebirges abends und morgens

kräht kein Hahn auf befriedeten Rasenflächen

aus dem Versandhaus versteifen sich viereckig

Einfamilienhäuser wolkenfrei, mit guter Sicht

auf andere Einfamilienhäuser mit guter Sicht

wolkenfrei hinter schmiedeeisernen Gittern.

 

Du beugst dich über den Schieferwall

Mauerpfeffer zwischen mörtellosen Fugen

(es sind diese seit Urzeiten errichteten Mauern

die später zu Fundamenten der Kirche wurden)

siehst noch den Schatten der tollwütigen Füchsin

die im Amtsblatt wie ein Stargast angekündigt war

beugst dich hinüber, herüber, vorwärts, rückwärts

sehr biegsam im Kreuz

den ausgetrockneten Bach erklärend verständlich

ohne Anglerlatein, und während du sprachst

So könnte es sein

So war es

So wird es nicht mehr sein

grüßten die Landvermesser mit Meßlatten und Gestängen

teilten den Schiefer, auf dem du standest

hinüber herüber in eine vierspurige Zukunft.

Gestikulierend fielst du in Hälften.

 

 

 

Verbeugungen vor der Luft

 

Hier, in diesem Luftraum, in dem die Atemwolken aufrecht gehen

hier zwischen dem Ungesehenen, das sich sichtbar machen will

zwischen Einatmen und Ausatmen unwillkürlich

hier, wo ein auf Sicherheit bedachter Schlittschuhläufer

einen metallenen Einkaufswagen auf den Teich schob

der stehenblieb mittendrin in klirrender Einsamkeit

und nicht sank (wohin ist der Schlittschuhläufer geglitten?)

hier, wo am Rand der Insel hochrangige Enten

ihre Hälse vorstrecken wie frisch promoviert

hier, wo ein Hauch von Luft in feine Scheiben geschnitten

kaum den Tag übersteht und im Nachtdunkel verfliegt

luftpostleicht, vogelhaft, ja verräterisch leicht

in Länder, aus denen Leute kommen mit prall buntem Gepäck

Gesichter von der Anstrengung, etwas erlebt zu haben, gerötet

Briefmarkenrollen hinter sich herziehend und zahm

angeleinte Koffer, Polaroidphotos verblassen packenweise

wo der verehrte Herr Federn ließ, Luftikus, Luftikus

guckt in die Luft, gibt eine Hand

schlaganfällig, aber doch altersmutig

er läßt sich einen Wind um die Nase wehen, der nicht weht.

 

Niemand kam, niemand ging, den Einkaufswagen zu holen

übers grau geritzte Eis, auf dem auch Tüten lagen

von schnell Essenden, das Leben Verdauenden, die ich sah

und beschrieb, hier, jetzt verletzend schnell.

Luft war da in großen, weichen Lappen.

Geordnete Spaziergänger-Ödnis am Nachmittag

wo die Wörter sich klamm erkältet aneinanderschmiegen

(eines sucht das andere in Ermangelung eines anderen anderen).

Seiltänzer sind die natürlichen Feinde der Fliegenbeinzähler

 

die sich auch ein Bein brechen – beim Treppensturz oder auf Eis

egal. Höhere Einkommen, weniger Nachkommen

doziert der Bevölkerungswissenschaftler. Gratuliere.

Die Stimme des Windes (ein Allegro con brio) fällt flach.

Männlich ist der Wind in vielen bekannten Sprachen

und die Luft aria, aria, Ariel

bestreicht das weibliche Geschlecht.

 

Einer, für dessen Ohr der Wind bläst. …

in dieser Ausschließlichkeit vom Leder gezogen, gelogen.

jetzt im Luftarmen ist es leicht, aufrecht zu gehen.

Kritiker an Gott und der Welt werden zugeben:

kein Stoßen an Wolkenbänke, Luftsäulen, die plötzlich umfallen

kein Verschwimmen im milchigen Bodennebel der Wiesen.

An der Böschung Froschaugen

blank erstaunt ob dieser, ob jeglicher Veränderung.

Wäre die Luft nur Larifari, ein Stoff, um Atemlust zu erzeugen

Brennmaterial für das Feuer und die Pflanzen

zu unstofflich für eine Elegie vor dem Auge der Zeit:

sie entwiche hier mit einem sanften Zischen.

Tiefhängende Wolken haben keinen Geruch

wie Luft, die zum Schneiden ist unter dem Horizont.

Von Ameisen ist nichts zu lernen

wie von abgelegten Geliebten, einer Mondfinsternis, leider

alles muß bedacht werden, der fliegende Wechsel

der Entenpaare und Bläßhühner: würgende Brotrestepickerei

wie man Blätter umdreht, ihre Chlorophyll-Adern benetzt

die schilpenden Schimpfkanonaden im Park

Elstern, beredte Finkenfeinde

Planeten sammeln sich und werfen Gesteinsbrocken ab.

Modrig ist der Teich, der aus dem Blickwinkel rückt

langsam wie geschoben, doch leis knirschend vor Anstrengung.

Vögel sind die Ornamente der Luft.

 

 

 

Parole Echtzeit

 

Der Tod ist kein Meister.

Er hat seine Geschichte vergessen.

Die gewohnte militärische Ordnung seines Körpers

unter der Uniform: ein Trugschluß.

Mit seiner harten Hand

– erprobt an Videospielen und Simulatoren –

bedient er Knöpfe und Schalter

er ist ein Besitzer des Schleudersitzes

er ist ein erfahrener Simulant.

Tod heißt Zielgenauigkeit im Fadenkreuz.

 

Nie Wörter wie Bodenverbände, Abschußrampen, Spürpanzer

Wörter geschrieben mit meiner Hand

die sich erhebt und wieder sinkt

die sich sperrt, Panzersperren, Angriffskorridore

Feuergürtel, Minenteppich

wie die Sprache explodiert in Feuer und Rauch

zusammengeballte Wörter, größtmögliche Dichte

der Globus verklumpt zur Region.

Hitzeschilde, chirurgische Schnitte, faules Gewebe

sprach jemand vom Krebsgeschwür der Menschheit?

Wer ermannt sich zu schneiden?

In welchem Organ und wie rasch?

 

Als friedliebend schon fast ein Schimpfwort war.

Wie die Wörter sich vermehren

wie die Nachrichten schrumpfen unterhalb der Wörter

wie aus Krise Krieg gemacht wird

und aus Krieg

Gewinn, Gewissen, Gegenwart

 

die Hochhäuser von heute sind die Ruinen von morgen

Betroffenheit klingt schon wie Besoffenheit

ein Wort aus einer vergangenen Zeit

die sich ergebende Sprache

die dem Sachzwang ergebene Sprache

die in Garben zerschossene Gegenwart

zertrümmerte Gedanken, verblendete Subjekte

Salzsäulen, im Rauch erstarrt

der Krieg ist der Vater aller

Gasmasken und Heldentenöre

Angst nein, Sprengkopf ja, Gas nein, Milzbrand ja

der blutverkrustete Schleudersitz

 

 

 

Nachrichten vom Tage

 

Noch einmal frierts.

Beim Essen reden wir über Hungerstreik

kurzsichtig sehen wir in das Auge des Gesetzes

Voyeure, sehen wir uns selbst im Spiegel.

 

Wie tolerant wir geworden sind:

Nun lieben wir unsere ererbten Großmütter.

In der Schule sprechen schon die Lehrer

von der Solidarität gegen die Schüler.

O Wintertag, die Zeit durcheilt ein Jahr

Nachrichten vom Tage verschwimmen

der NDR meldet eine Glatteisfront

von Süden kommend. Eine wunderbare Zeit

immer zu spät und viel zu früh.

Wir lächeln uns an

wie in diesen berühmten Filmen, stumm

wenden uns weg. Schnitt.

 

Eine Kamera folgt uns

aus der Sicht der Stehengebliebenen

ganz zufrieden sind die

gerührt über sich selbst im Sperrsitz, aufgewärmt.

 

Auch diese Zeit ist Zeit.

Wir ordnen sie in Akten, betrachten

die geknickten, eingelochten Bögen

Erschöpfung das letzte Ergebnis jedes Bemühens.

Die Nässe überfriert. Wir überwintern.

 

 

 

Hitze und Herzklopfen

 

Fiele ein Haus in den Schoß, sei es in Hochheim am Main

Hirschberg am Neckar, die Steine der Loire leckend

Sand zwischen den Zähnen, Flußkiesel im Mund gewälzt

lehnte sich ein Haus an die Schulter anderer Häuser

trauliche Unvertrautheit mit Töpfen und Tassen

Schnellgericht über verderblichen Häuptern

Holzwurm und Hausbock richteten sich ein zwischen den Sparren.

Kein Schornstein raucht. Fiele ein Haus

aus den Wolken mir grundlos aufs Dach

Haus mit einem burgundischen Tisch aus Kastanienholz

Dompfaffenhaus hinter Buchenhecken und Lupinenstauden

Fensterläden klapperten fröstelnd im Wind

Schlüssel und Urkunde beim Notar der nächsten Stadt

auf dem Reißbrett konstruierte Häuslichkeit

besäße ich Luft und Lust zum Atmen, Dielen und Durst

sich in Luft auflösen durchs Schlüsselloch

die Luft mit Fäusten geschlagen, bis sie blau.

Die Gebäude in meinem Kopf sind Abrißhäuser

zahnlose Mauervorsprünge, bissige Fensterflügel

Risse im harten Panzer des Küchenschabenvolks

Bohlen führen über sandige Äcker, Stufen hinauf

zum Bottich eines zerborstenen, fleckigen Aborts.

Und die Birne schlägt, schlägt in Staub mit allen Feinden

des Neubaugebiets, der Ortsrandsiedlung, Bausparkassenmalheur

nehme ich dann gewisse Stellen als Material

Ziegel und Sandstein, saarländische Fliesen

Moniereisen über ausgetretene Stellen, aber genau zitiert.

 

Ein Wort heißt nicht umsonst Schlagwort

Schlagschatten, Schlagbilder, auf Bildern wird geschlagen

sieben Märtyrer, aus denen ein Blutfluß entspringt

(sieben Tage war der Rhein rot, sagt die Sage

dann verdünnte sich das Blut im Lachslaichgebiet)

und ein Kind wird geschlagen zur Freude eines anderen Kindes.

Bilder werden geschnitten, geklittert

damit die Illusion des Schlagens Wirklichkeit wird

Wirklichkeit, die nachzittert, und der Bildrand

von Hündchen, Moosen, Schmetterlingsblütlern besetzt

buckelte wie unter großer Hitze gesengt.

Schlagwörter, Schlagstöcke, Schlagsahne

Schlag auf Schlag, Hausnummer für Hausnummer knallen Worte

»tritt das Feuer aus, deck es ab, schlag zu!«

in einen gepflasterten Hof, die Leere hallt

Geknister aus Panik, die sich nie wieder verzieht.

Nach so langer Erfahrung sei »Haus«

»Baum« oder »Brücke« anders gewagt.

Nach so langer Zeit, die stillgestanden hat

nach so langer Zeit pochte ein Knöchel an die Tür

zuerst leis, dann nochmal und lauter

die Hausglocke gellte, niemand da, niemand da

Schritte ums Haus, um das verschlossene Haus

jemandes gekrümmter Finger richtete sich auf

eine Nachricht muß hinterlassen werden

eine Nachricht vom Finger, der sie schreibt

fiele ein Haus in den Schoß, fiele es, fiele es

dachschindelweise ein Fall fürs Gefallensein

klopfte das Herz so laut, Kastanienpoltern im Hof.

 

 

 

Introitus II

 

Meine Leute sind sehr gottesfürchtig und fürchten doch

was Menschen sagen, flüsternd erst, tratschend, tirilierend

in die Ohren gellen gräßliche Gerüchte, ein Grauen

das sie schnurstracks zu Gott tragen, da gehört es hin.

Sie fürchteten sich gestern, fürchten sich morgen, Gram

und heute haben sie ihre Last zu tragen, die sie Leben nennen

oder Larifari, Leberflecken und Gallenblasen.

Und Gott sieht alles, hört das Gras wachsen und die Fußnägel

hört, was sie nicht hören, überhört nichts

nur fragen darf man ihn nichts; das ist gegen die Regeln.

Meine Leute sind sehr gottesfürchtig und fürchten sich

wie andere Leute, die sie nicht sehen und maßlos fürchten.

(Am besten, man zieht knirschend den Rolladen runter

Gott und der Briefträger: das reicht vollkommen.)

Vollkommen ist auch die Stille, wenn der Fernseher schweigt.

Gott spricht nicht in den Ätherwellen, nur in den Gedärmen

die rumoren ganz gottserbärmlich, was nur den Hausarzt angeht.

 

Sie klammerten sich an die Kreuzzeichen, den Kompaß der Gläubigen

zwischen Kopf und Bauch und dem schreckhaften Herzen

Hasenherz, Hasenfuß und auf der anderen Brustseite nichts

nur Rippen und mürbes Fleisch, in Blusenstoff gefaßt.

Kreuzzeichen, die sie in die Luft schlugen. Und ehe sie sich

versahen, war die Luft dick wie Butter. Sie waren sprachlos

vor Schreck, daß es hilft. Bald war die ganze Welt ein Butterberg.

Und sie trugen ihr Kreuz, das sie sich selbst

gezimmert hatten, daran geschlagen waren sie

schon beim Richtfest, lange ehe es fertig war.

Schwer war die Luft von der Stirn zur Brust, schwerfällig

linksseitig geschlagen, es half ihnen nicht.

 

Nachdenkend und vordenkend mische ich mich unter Leute

und meine Leute mischen sich nicht, da sind sie sehr allein

mit sich. Sie klammerten sich an die Kreuzzeichen

die sie in die Luft schlugen. Sie schlugen

sich seitwärts durch ihr Leben. Der gerade Weg verbaut

der krumme, steile, sehr mühsam, aber löblich

wohin es sie verschlug, immer war Gott gerade abgereist

in wärmere Regionen, ein Weihrauchwölkchen blieb

und klamme Luft, nebelfeucht hinter Weißdornhecken.

 

Gut bekannt waren sie mit dem Cousin Gottes

einem rotgesichtigen Mann mit kariertem Schnupftuch

in das er seine große Nase schneuzte

der wußte auch keinen Rat und redete wie ein Drache

also zahnlos zischelnd oder feurig, so kam es ihnen vor.

Er hörte zu mit schuppigen Ohren.

Da waren sie schon zufrieden.

 

Konvulsionen, Ekstasen, mittlere Überschwemmungen.

Geschichte war Offenbarung, Himmelsöffnung

mit einem großen Schlüssel schließt Gott den sündigen Leib

ein Schlüssel zu dem Schacht, der dunkel ist und feucht

preisgegeben sich selbst

was furchtbarer ist als die himmelschreienden Posaunen

wenn sie ertönen, reißt das Himmelszelt.

Schlitz im blauen Zelt, dahinter goldene Litzen

erhabene Feuersbrunst der aufgebäumten Körper

ein barocker Marinehimmel am Tag danach

und Gott ein pensionierter Kapitän auf Weltreise. Schnitt.

Offenbarung war Offenbarung Johanni, das Weltenbuch

in dem die Lämmer sieben Köpfe haben

der dritte Engel bläst die Posaune

und Rinder stürzen mit schwankenden Stelzen.

 

Sieben Fackeln brannten, es stürzten auch Engel

aus Gründen in Abgründe, Menschen folgten ihnen heuschreckengleich

Gerechte, Ungerechtfertigte, numerisch glücklich verteilt

der Körper öffnete sich, ein Himmelsschlitz er selbst

aus dem die Sterne fielen, unachtsam

dort, wo der Horizont auseinanderbrach zweigeteilt

und es ward Morgen, es ward Abend

wo meine Leute und nicht meine Leute aufeinandertrafen

wo klaffende Rachen offenstanden, voll von Rauch

die letzten Dinge stehen am Anfang

das ein dunkles Ende nimmt.

 

Wo sind die Heiligen, zu denen ich immer gebetet habe?

ruft die Tante auf dem Flur des Krankenhauses.

Wo der Gott im hellen Glorienschein? Und keine Orgel tönt

die Notbeleuchtung flackert, Zeiger springen weiter auf der Uhr

stechen in den aufgedunsenen Leib

(sie erträgt es klaglos, schweißgebadet)

auf dem Flur ein Hasten, Jagen

Krankenschwestern ohne Haube, ohne Kreuz

sie geben vernünftige Injektionen.

Der dritte Engel bläst die Posaune.

Die Uhr tickt, springt aus der Zeit, sticht

die Zeit ist abgelaufen. Frühschicht und Fraglosigkeit.

 

Meine Leute sind sehr gottesfürchtig und fürchten doch

was Menschen sagen. So sagen sie selbst. Sie starren

in Kinderwagen, Einkaufskörbe, Leben ohne Hüllen

gebuhlt hatten sie und in Gottes Ohr hinein

Klagen geschüttet, die Gott großmütig vergaß.

Dankbarkeit war angesagt, die Körper erschöpft gedoppelt

die Körper entzweigebrochen in Lamm und Weide

wo kein Hirte ist. Gott ist tot

aber die Menschen vermehren sich auftragsgemäß

sie fürchteten sich gestern, fürchten sich morgen

und heute haben sie ihre Last zu tragen.

Und wenn dann an einem jüngeren Tag die alt gewordenen Leute

Trauerweiden, Trauerklöße, sie entblößen sich nicht

und wenn dann das Fleisch vernichtet, schlagen sie ihr Kreuz

ihr Fleisch schlägt über die Stränge, wuchert

unauflösliche Zellknoten, Krater im Gewebe

sie gehen ein zu den Gebeinen, sie weinen nicht.

Ein Schweif fegt die Körper hinweg

 

 

 

Entwurf zu einer Anthologie der Körper

 

Die Körper haben sich voneinander entfernt

Gefangene der herrschenden Gefühle

sind sie ihrer selbst überdrüssig geworden.

Sie schreiten zur Tat, erproben

neue Figurationen in ihrer alten Haut.

 

Ach, die gefangenen Finken!

Die von der Schlange besessenen Menschen!

Viele Wörter haben ihre Sprache verloren

sitzen gezügelt auf den Lippen.

In diesem Winter stockt die Kälte in den Leibern.

 

Jahrelang wollte ich eine Geschichte

der Körper schreiben, einen Zyklus der Bewegungen

eine Formation aus unserem nicht getanzten Ballett

in dem eines das andere einholt, flieht, umkreist.

Ein Entwurf zu einer Anthologie der Körper

spukte mir körperlos im Kopf.

Ich ging gebückt unter der Last des eigenen Anspruchs

stemmte Musterkoffer mit anatomischen Gliederpuppen.

Jahrelang suchte ich nach Bildern

für die Poren der Haut, die ruhlosen Muskeln

ich wollte ein Verzeichnis der Runzeln anlegen

der schmerzhaften Zusammenziehungen

(gestrichen aus stillen Bedenken)

ein Verzeichnis der Schweißausbrüche, Aufwallungen

von Lust (andere sprechen von ihren Energien)

ein Gedicht mit Sprüngen

das alle Bewegungen nachvollzieht

und neu erfindet einmal an einem langen Band

eine Anthologie der ungewußten Wölbungen

in Haut und Knochen

(andere sprechen von ihrer Aura)

über sichere Füße auf dem knarrenden Parkett

über einen Rücken, der in der Sonne steht.

 

Einige Zeilen standen immer fest

in meiner Anthologie: einmal

am Nachmittag in deinem blauen Bett, einmal mehrmals

sprachen wir über Unterdrückung.

Nicht die schnell auszusprechende jenseits

in Schulen, Büros und Fabriken

wo sich die Fäuste leichter ballen

in der Tasche als unter der Decke

am Nachmittag in deinem blauen Bett, einmal mehrmals

wir hatten die Zehen ineinander verzahnt

wie wir uns sonst die Hände geben. (Seltsam.

Die Hände geben, heißt es, während sich eigentlich

die weichen Innenseiten der Finger am nächsten sind.)

So lagen wir Haut an Haut, Hüfte an Hüfte

erschöpft im faltenlos gedämpften Licht.

Hinter der Gardine wucherten die Wünsche.

 

Immer haben wir unser wild wachsendes Schamhaar

mit Scham betrachtet, immer war etwas zwischen uns

die Fremdheit unserer Körper, ihre fremde Größe und Form

sie wollten nicht ineinander passen

aufeinander nebeneinander eins über das andere gebeugt

immer verstanden wir zu spät die andere Lust

die plötzlichen Kälteeinbrüche in der Nacktheit.

Manchmal schwiegen wir laut oder vergruben uns

bei lebendigem Leib. Einmal

am Nachmittag in deinem blauen Bett, einmal, mehrmals

sehr warm ausgepolstert

sprachen wir über Unterdrückung.

Wer hat dir die blauen Flecken gemacht?

Wessen Zähne haben sich in deinen Arm geschlagen?

Wer besetzt deine Träume mit unablässigen Appellen

an die Klugheit des Schwächeren, der nachgibt?

 

So ging es weiter bergab mit den Körpern

die ihre Tode schon ahnten

mitten im wildesten Fleisch. Vieles blieb dunkel

unbeantwortet in diesem Gedicht

wie im Schweigen der Körper, das zu verstehen

spätere Sitten uns lehren, wenn wir sie lernen wollen.

(Die Wunschträume, eingeboren zu sein

halben Herzens die halben Köpfe zu kolonialisieren.)

Stimmen von weitem, Vögel, Gebiß

die gereizte Haut entzündet Gespräche, Verlegenheiten

noch einmal ich zu sagen in einer anderen Person.

 

Da schrie sie schon auf: sie wolle keine Vorwände liefern.

Die Geschichte sei eine Frau

jeder wolle sich in ihr verewigen

seinen Samen hineinspritzen

wolle Bäume pflanzen, fällen, Impfstempel aufdrücken

alles Ärzte am Bett der sterbenden Körper

(Therapien, die sich im Sterben einnisten

sorgfältig katalogisiert, die Ruhe der Körper

am Feierabend, unmotiviert, macht keinen Sinn

Gymnastik der Gefühle, jedes Knacken im Gelenk

einer fachmännischen Interpretation bedürftig)

jeder wolle sich über sie wälzen, aber sie, aufgerichtet

entkomme. Sprich nur von meiner Phobie

dann spreche ich, sagte sie, von deiner Naivität

das Natürliche sei natürlich, eine auffindbare Ganzheit

auch du, schrie sie, ihre Stimme überschlug sich

ich hielt ihr den Kopf wie einer Erbrechenden

denn jeder Satz, den sie unbedacht

zögernd, erbittert, ausstoße, jetzt rannen

auch die Tränen über ihren Nasenrücken

tropften, tropften, jeder Satz

könne sich losreißen von ihr

ein Beispielsatz werden, auch in meiner Anthologie

da wälzte sie sich auf dem Teppich

in den Lehrbüchern einer geschichtslosen Geschichte

sie wolle nicht mehr

in Spiegel fallen, glitzernd, gesplittert

die eigenen Splitter gespiegelt sehen.

Es tagte schon, wolkig, heller das Licht.

Die Vögel, die Vögel, aber wir.

 

Ursula Krechel, da Die, da, Jung & Jung, Salzburg 2013

da Die, da, Jung und Jung, Salisburgo 2013

Variazioni nella cronologia

 

Ma la strada non era

un tempo aperta a tutti?

Sempre più stretto il cerchio

sempre più ventosa la via di fuga.

Non ci abbandoniamo più gli uni

agli altri sul monte Orkanböen.

Così tanto tempo per la falsità

tra la notte e il mattino.

Così tanto tempo per calarsi con la corda lungo le frasi.

Già l’albero si spoglia del fogliame.

Distinta la fuga fuori fuori

dalla città scolorita

nell’ambita atemporalità.

 

C’erano i morti un tempo e hanno

parlato, non erano forse vivi

prima di morire e chi li ha ammazzati?

Erano già morti i delinquenti?

Era già fredda la mano

la mano glaciale

chi l’ha guidata?

Così vaghiamo coi morti

nel freddo, che ci vieta di vedere

raffreddare la concessa cecità.

 

 

Imbavagliata

 

riecco la paura di confessioni

pellegrinaggi, crociate di bambini

gemellati pasti sacrificali:

che tutto il noto sia già noto.

Che regni la calma

dove il cuore spogliato si placa

quindi da nessuna parte.

Alla razionalità segue il buio

al buio la lupesca sacralità.

Di notte sento le grida dei muti

o già grido io stessa, in dormiveglia.

 

 

 

Letteralmente

 

Mi sono salvata o sono caduta

nella fila dei giorni che più

nessuna lettera contiene?

La strada è abbandonata

nessun aggressore ne ha proclamato la vergogna

il ladrone lo tiene a bada

la pace squartata.

 

Ancora una volta il foglio bianco

cappio dopo cappio ganci e archi

un quadro ordinato.

Le canzoni in fuga

richieste d’asilo respinte.

Una vita muta tra i confini di…

 

Senza dolore siamo e in fretta abbiamo

perduto la lingua in un paese straniero.

Friedrich Hölderlin: Mnemosyne (1805)

 

 

 

 

Nell’ottava casa

 

Di nuovo lacrime di pomeriggio

guardando fuori dalla finestra

le culture di miele degli impiegati

primule cinabro tutto uno zelo d’api per nulla

sporcizia raggrumata.

Nessuna luna ci vuole apparire

nella luce stanca, nessun sole

nell’ottava casa. Così passano oltre i desideri

hanno lasciato padre e madre

nessun paese li accoglie

senza lettera e sigillo e impronte digitali.

La terra innaffiata di lacrime

rivestita di calcestruzzo fino all’ultimo albero

la pace appiccicosa ancora per quanto

guardando fuori dalla finestra

a questo paese. Liquido

zampillò dagli occhi sul calcestruzzo

guardando fuori dalla finestra.

 

 

 

 

Il mio incandescente elemento

 

Il mio incandescente elemento prese fuoco

a lungo enfiato, mantenuto magro

dal più misero alimento

stracci bagnati premuti sul cuore

fazzoletti, settimanali

come fosse il fuoco del mondo.

I rondoni già perdono le penne.

 

Così vedo profughi con sacchi di lacrime

sulle spalle i loro letti carbonizzati

che li fanno sudare in una ignara follia:

salvati.

 

 

 

Teicoscopia

 

Da lontano il paesaggio gibboso

fagioli rampicanti, superfici coltivate

un melo con una corona di scisto

il sentiero ormai asfaltato e raddrizzato

corruzione all’elezione del parlamento federale

(scartato come via economica conduce

oltre la montagna nella storia più vicina

dell’evoluzione del Ventesimo secolo).

 

La città rimasta nel suo essere urbano.

Bus di pendolari sfiorano l’orlo

del monte centrale al mattino e alla sera

nessun gallo gracchia dai prati pacificati

dalla ditta di vendita per corrispondenza si stagliano

nitide monofamiliari quadrangolari, con una bella vista

su altre monofamiliari con una bella vista

nitida dietro inferriate in ferro battuto.

 

Ti chini sul muro d’ardesia

borracina tra connessure senza mortaio

(furono queste mura erette dai tempi dei tempi

a divenire in seguito fondamenta della chiesa)

vedi ancora le ombre della volpe femmina furiosa

che nei bollettini ufficiali fu annunciata come ospite

d’onore, t’inchini in qua, in là, in avanti, all’indietro

estremamente flessibile in croce

spiegando chiaramente il ruscello essiccato

senza racconti di pescatore e mentre parlavi

così avrebbe potuto essere

così fu

così non sarà mai più

salutavano con metri e sbarre i geometri

tagliavano la lastra su cui stavi

in qua in là in un futuro a quattro corsie.

Gesticolando ti spacchi a metà.

 

 

 

Inchini al cospetto della luce

 

Qui, in questo spazio aereo, dove nubi di fiato vanno

dritte qui tra il non visto che vorrebbe mostrarsi

tra inspirazione ed espirazione involontarie

qui, dove un pattinatore attento all’incolumità

spingeva sullo stagno un carrello della spesa di metallo

che si fermò nel centro in una tintinnante solitudine

e non affondò (dov’è scivolato il pattinatore?)

Qui, dove al margine dell’isola anatre d’alto rango

sporgono i colli come appena promosse

qui, dove un alito d’aria tagliato in lastre sottili

a stento sopravvive al giorno e nel buio della notte s’invola

lieve come posta aerea, volatile, proditoriamente lieve

in paesi, da cui giungono con bagagli sgargianti

visi arrossati dallo sforzo d’aver esperito qualcosa,

trascinandosi dietro rotoli di francobolli e docili

valigie al guinzaglio, polaroid sbiadiscono come pacchi

dove l’egregio Sig. Piume rinunciò, sventato, sventato

dà un’occhiata alla luce, dà una mano

fulmineamente, ma coraggiosamente

vuole sapere come gira il mondo, che non gira.

 

Nessuno veniva, nessuno andava a prendere il carrello della spesa

sul ghiaccio scalfito dal grigio, dove c’erano anche cartocci

di chi mangia veloce, sopravvissuti alla vita, che ora qui

ho visto e descritto, in fretta e con pena.

C’era luce in grandi e morbidi stracci.

Ordinati passeggiatori di desolate terre pomeridiane

dove le parole intirizzite si appoggiano le une alle altre

(l’una cerca l’altra in mancanza di un’altra altra).

I funamboli sono i nemici naturali di chi cerca l’ago nel pagliaio

 

che si rompe anche una gamba – che sia con un salto sulle scale o sul ghiaccio

non cambia. Reddito più alto, reddito più basso

pontifica il demografo. Congratulazioni.

La voce del vento (un Allegro con brio) si appiattisce.

Maschile è il vento in molte lingue conosciute

e l’aria, aria, aria, Ariel

diffonde il sesso femminile.

 

Uno, per il cui orecchio soffia il vento. …

In questa esclusività tirata per i capelli, millantata.

Ora tra le braccia dell’aria è facile procedere eretti.

Lo ammetteranno i critici di Dio e del mondo:

niente scontri con banchi di nuvole, colonne d’aria che crollano a un tratto

niente nuotate nel latteo fondo di nebbia dei prati.

Sul pendio occhi di rane

strabuzzati per questo o quel cambiamento.

Se l’aria è solo assurdità, materia che genera desiderio d’aria

combustibile per il fuoco e le piante

troppo immateriale per un’elegia sotto gli occhi del tempo:

che evada qui con un sibilo dolce.

Nubi basse sono inodori

come l’aria, da tagliare sotto l’orizzonte.

Dalle formiche non c’è nulla da imparare

come dagli amati accantonati, un’eclissi lunare, purtroppo

bisogna tener conto di tutto, i cambiamenti in volo

delle coppie d’anatre e folaghe: rimasugli di pane in grado di strozzare

come si girano le foglie, vene umide di clorofilla

il cinguettante turpiloquio nel parco

chiacchieroni, eloquenti nemici dei fringuelli

pianeti si radunano e scagliano giù pietre.

Marcescente lo stagno, esce dal campo visivo

lentamente come sospinto, ma sgretolandosi in silenzio per lo sforzo.

Gli uccelli sono gli ornamenti dell’aria.

 

 

 

Parola d’ordine tempo reale

 

La morte non è maestra.

Ha dimenticato la sua storia.

Il consueto ordine militare del suo corpo

sotto l’uniforme: una falsa conclusione.

Con la sua dura mano

– collauda videogiochi e simulatori –

utilizza pulsanti e interruttori

è proprietaria di sedili eiettabili

è un’esperta simulatrice.

Morte significa mira precisa nella croce di collimazione.

 

Mai parole come associazione territoriale, rampe di lancio, carrarmati

parole scritte di mio pugno

un pugno che si solleva e ricade

che si oppone, barriere anticarro, corridoio d’attacco

cintura di fuoco, tappeto di mine

come esplode in fuoco e fumo la lingua

parole assemblate, massima densità

il globo si raggruma in regione.

Scudi termici, tagli chirurgici, tessuti marci

qualcuno ha parlato di cancro dell’umanità?

Chi si azzarda a tagliare?

In che organo e a che velocità?

 

Quando pacifico era già quasi un insulto.

Come si moltiplicano le parole

come si assottigliano le notizie sotto le parole

come dalla crisi si fa la guerra

e dalla guerra

profitto, percezione, presente

 

i grattacieli di oggi sono le rovine di domani

sbigottimento già suona come ottundimento

parola da un tempo passato

la lingua che si arrende

la lingua piegata alla forza maggiore

il presente crivellato nelle raffiche

pensieri fracassati, soggetti accecati

colonne di sale, impietrite nel fumo

la guerra è la madre di ogni

maschera gas e drammatico tenore

paura no, testata sì, gas no, carbonchio sì

il sedile eiettabile incrostato di sangue

 

 

 

Telegiornale

 

Ancora una volta gela.

Mangiando parliamo di sciopero della fame

miopi guardiamo negli occhi della legge

voyeur, ci vediamo allo specchio.

 

Quanto siamo diventati tolleranti:

ora amiamo le nostre nonne ereditarie.

A scuola gli insegnanti stanno già parlando

di solidarietà nei confronti degli studenti.

Oh giorno d’inverno, il tempo percorre in fretta un anno

il telegiornale sfuma

la NDR[1] annuncia un’ondata di gelo

in arrivo da Sud. Un tempo meraviglioso

sempre troppo tardi e ben troppo presto.

Noi ci sorridiamo

come in questi celebri film, muti

ci voltiamo. Taglio.

 

Una telecamera ci segue

fuori dalla visuale di chi è rimasto

quelli sì che sono proprio felici

commossi di se stessi nei distinti numerati, riscaldati.

 

Anche questo tempo è tempo.

Lo suddividiamo in atti, osserviamo

gli archi piegati, imprigionati

sfinimento è l’estremo risultato d’ogni sforzo.

Il bagnato si riveste di ghiaccio. Noi sverniamo.

 

 

 

Calore e battito del cuore

 

Che cada dal cielo una casa, che sia a Hochheim sul Meno

a Hirschberg sul Neckar, lambendo le pietre della Loira

sabbia tra i denti, ciottoli scaricati in bocca

si appoggi una casa alle spalle di un’altra

accogliente familiarità con pentole e tazze

piatti rapidi su teste deteriorabili

tarlo e capricorno delle case s’installarono tra i falsi puntoni.

Nessun camino fuma. Che cada la casa

dalle nubi sul mio tetto senza motivo

casa con un tavolo burgundo di castagno

casa di ciuffolotto dietro siepi di faggio e cespi di lupini

persiane sbattevano rabbrividendo al vento

chiavi e atto dal notaio della vicina città

senso della casa costruito al tecnigrafo

avessi aria e voglia di respirare, assi e polvere

si sciolgono nell’aria dal buco della serratura

aria presa a pugni, finché non è livida.

Gli edifici nella mia testa sono case in demolizione

sporti sdentati, mordaci battenti

fenditure nella dura corazza del popolo degli scarafaggi

spingere panconi su campi sabbiosi, su per gradini

fino alla tinozza di un gabinetto macchiato e distrutto.

E il pero combatte, nella polvere con tutti i nemici

del fondo edificabile, dell’insediamento periferico, maledizione della cassa di risparmio edilizia

prendo poi posti precisi per materiale

mattone e arenaria, piastrelle del Saar

tondini su punti consumati, ma esattamente citati.

 

Non a caso una parola si chiama parola ad effetto

effetto d’ombra, immagine a effetto, resa effettiva sui quadri

sei martiri, dai quali sgorga un fiume di sangue

(per sette giorni il Reno fu rosso, dice la leggenda

poi il sangue si sfinò in un ovario di salmone)

e un bimbo fu picchiato per la gioia di un altro.

Le immagini vengono tagliate, falsate

perché sia effettiva l’illusione di colpire

realtà che trema, e riempie la cornice

di cagnetti, alci, faboideae

s’inchinò come bruciato dal grande calore.

Parole a effetto, effetto manganello, effetto panna montata

effetto dopo effetto, civico dopo civico scoppiano parole

“pesta il fuoco, coprilo, colpisci!”

in una corte lastricata, il vuoto riecheggia

scricchiolio di panico, che non si dissipa più.

Dopo una così lunga esperienza “Casa”

“albero” o “ponte” si osano diversamente.

Dopo così tanto tempo che è rimasto fermo

dopo così tanto tempo un tallone bussò alla porta

prima piano, poi ancora e più forte

il campanello squillò, non c’era nessuno, nessuno

passi nella casa, attorno alla casa chiusa

il dito contorto di qualcuno si drizzò

bisogna lasciare una notizia

una notizia del dito che la scrisse

cada una casa dal cielo, cada, cada

alla maniera dei coppi, una caduta per l’essere caduti

il cuore batteva così forte, tonfi di castagne nella corte.

 

 

 

Introito II

 

La mia gente è molto timorata di Dio, certo teme

quel che dicono gli altri, dapprima sussurrando, spettegolando, trillando

nelle orecchie risuonano orrende dicerie, un orrore

che difilato portano a Dio, gli appartiene.

Temevano ieri, temono domani, cruccio

e oggi devono portare quel loro peso che chiamano vita

o chiacchiere, macchie epatiche e colecisti.

E Dio vede tutto, sente crescere l’erba e le unghie dei piedi

sente, quel che loro non sentono, nulla gli sfugge

solo non possono fargli domande; è contro le regole.

La mia gente è molto timorata di Dio e non teme

come altra gente, che non vede e infinitamente teme.

(Al massimo, si tira giù la tapparella con fragore

Dio e il portalettere: è più che sufficiente.)

Perfetto è anche il silenzio, quando tace il televisore.

Dio non parla nelle onde dell’etere, solo nelle viscere

che misere gorgogliano, ma riguarda solo il medico di base.

 

Si aggrappavano soltanto ai segni della croce, alla bussola dei credenti

tra testa e pancia e cuore timoroso

cuor-di-coniglio, piede di coniglio e nulla sull’altro lato del petto

oltre costole e tenera carne, contenuta nella stoffa della camicia.

Segni della croce, che tracciavano nell’aria. E prima che

se ne accorgessero, l’aria era spessa come burro. Erano ammutoliti

dalla paura che giovasse. Presto il mondo intero fu una montagna di burro.

E portavano la loro croce, che si erano

costruiti da soli, e vi stavano appesi ben prima che

fosse pronta, già alla festa per la copertura del tetto.

Greve era l’aria dalla fronte al petto, pesante

gettata a sinistra, non giovava.

 

Riflettendo e prevedendo mi mescolai con la mia gente

ma la mia gente non si mescola, perciò è molto sola

con se stessa. Si aggrappavano ai segni della croce

che tracciavano nell’aria. Si gettavano ai margini

della propria stessa vita. Chiusa la strada dritta

erta, curva, impervia, ma lodevole ovunque

li portasse, era già stata percorsa da Dio

in regioni più calde, restava una piccola nube d’incenso

e gelida aria umida di nebbia dietro siepi di biancospino.

 

Conoscevano bene il cugino di Dio,

un tizio paonazzo con un fazzoletto a quadri

dove si soffiava il nasone,

si perdeva in un bicchier d’acqua e parlava come un Drago

anche sussurrando sdentato o focoso, così si presentava.

Ascoltava con orecchie squamose.

E a loro bastava per essere felici.

 

Convulsioni, estasi, mezze inondazioni.

La storia era rivelazione, speranza nel cielo

con una grande chiave Dio chiude il corpo peccatore

una chiave per il pozzo, che è umido e buio

alla mercé di se stesso

cosa ancor più spaventosa degli inauditi tromboni

quando squillano si strappa la tenda del cielo.

Squarcio nella tenda azzurra, dietro trefoli dorati

solenne incendio dei corpi inalberati

un barocco cielo marino il giorno dopo

e Dio, capitano in pensione che fa il giro del mondo.Taglio.

La Rivelazione era quella di Giovanni, Apocalisse

dove gli agnelli hanno sette teste

il terzo angelo suona il trombone

e bovini saltano su trampoli traballanti.

 

Sette fiaccole bruciavano, anche gli angeli saltavano

da fondi in abissi, uomini li seguivano come cavallette

legittimati, illegittimi, felicemente divisi per numero

il corpo si apriva, uno squarcio nel cielo esso lo stesso

da cui cadevano stelle, distrattamente

là dove crollava spaccato l’orizzonte

ed era mattina, era sera

dove la mia gente e la gente non mia s’incontravano

dove fauci spalancate restavano aperte, piene di fumo

le cose ultime stanno all’inizio

che fa una fine oscura.

 

Dove sono i santi, cui ho sempre rivolto preghiere?

Grida la zia nel corridoio d’ospedale.

Dove il Dio nell’alto dei Cieli? E nessun organo suona

la luce d’emergenza vacilla, aghi continuano a scattare

s’infilano nel corpo gonfio

(lei sopporta senza un lamento, in un bagno di sudore)

nel corridoio tutto un rincorrersi, un affrettarsi

infermiere senza cuffia, senza croce

fanno ragionate iniezioni.

Il terzo angelo suona il trombone.

L’orologio ticchetta, balza fuori dal tempo, punto

il tempo è fuggito. Primo turno e senza domande.

 

La mia gente è molto timorata di Dio e certo teme

quel che dicono gli altri. Così dicono loro. Fissano

nelle carrozzine, nelle borse della spesa, vita senza involucri

avevano mendicato e riversato lamentele

nell’orecchio di Dio, che generoso le aveva scordate.

Era annunciata la riconoscenza, i corpi esausti raddoppiati

i corpi spaccati in agnello e pascolo

dove non c’è alcun pastore. Dio è morto

ma gli uomini si moltiplicano secondo i dettami

temono ieri, temono domani

e oggi hanno il loro fardello da portare.

E quando poi in un nuovo giorno la gente invecchiata

salici piangenti, musoni, non si spoglia

e quando poi la carne si distrugge, battono la croce

la carne batte sui capestri, cresce rigogliosa

insolubili nodi di cellule, cratere nella stoffa

vanno insieme alle ossa, non piangono.

Una coda spazza via i corpi.

 

 

 

Bozza per una antologia dei corpi

 

I corpi si sono reciprocamente allontanati

prigionieri del dominio delle emozioni

hanno provato disgusto di se stessi.

Si mettono all’opera, sperimentano

nuove figurazioni nella vecchia pelle.

 

Ah, i fringuelli prigionieri!

Gli uomini posseduti dal serpente!

Molte parole hanno perso la lingua

indugiano frenate sulle labbra.

Quest’inverno il gelo ristagna nei corpi.

 

Per anni avrei voluto scrivere una storia

dei corpi, un ciclo dei movimenti

coreografia del balletto da noi mai danzato

in cui ci si raggiunge a vicenda, si fugge, si accerchia.

La bozza per un’antologia dei corpi

mi abitava incorporea nella testa.

Andavo china sotto il peso delle mie pretese

trascinando un campionario di manichini anatomici.

Per anni cercai le immagini

per i pori della pelle, i muscoli inquieti,

volevo istituire una metafora per le rughe

per i dolorosi solchi sulla fronte

(tracciati dalla quieta riflessione)

un segno di accessi di sudore, ondate

di desiderio (altri parlano delle loro energie)

una poesia con balzi

che asseconda tutti i movimenti

e scopre un giorno su un legamento lungo

un’antologia d’ignote curvature

nelle ossa e nella pelle

(altri parlano della loro aura)

con passo risoluto sul parquet scricchiolante

sopra una schiena, che sia esposta al sole.

 

Alcune righe restavano le stesse

nella mia antologia: un tempo

di pomeriggio in un letto azzurro, un tempo più volte

parlammo di oppressione.

Non di quella che in breve si riassume di là

in scuole, fabbriche, uffici

dov’è più facile che i pugni si stringano

in tasca piuttosto che sotto la coperta

di pomeriggio nel tuo letto azzurro, un tempo più volte

avevamo incastrato tra loro le dita dei piedi

come facciamo dandoci la mano. (Raramente.

Dare la mano, si dice, mentre in realtà le più

vicine sono le tenere parti interne delle dita.)

Così restammo stesi pelle a pelle, fianco a fianco

stremati nella perfetta luce soffusa.

Dietro la cortina brulicavano i desideri.

 

Abbiamo sempre guardato con vergogna la giungla

dei nostri peli pubici, c’era sempre qualcosa tra di noi,

l’estraneità dei nostri corpi, la loro estranea forma

e dimensione, non volevano adattarsi l’uno nell’altro

uno sopra l’altro l’uno accanto all’altro l’uno chino sull’altro

capivamo sempre troppo tardi il desiderio dell’altro

il repentino raggelarsi nella nudità.

Talvolta tacevamo forte oppure ci seppellivamo

dentro il corpo vivo. Una volta

di pomeriggio nel tuo letto azzurro, un tempo, più volte

imbacuccati per bene

parlammo di oppressione.

Chi è stato a farti queste chiazze bluastre?

Chi a piantarti i denti nel braccio?

Chi tiene in scacco i tuoi sogni con appelli inesausti

alla saggezza del più debole, quello che si arrende?

 

Così si continuava a scivolare coi corpi

che già presentivano la morte in piena

frenesia della carne. Molto resta oscuro,

senza risposta in questa poesia

e nel silenzio dei corpi che c’insegnano a comprendere

i costumi del dopo, se abbiamo voglia di apprenderli.

(I desideri onirici di essere nativi

di colonizzare a cuor leggero teste vuote.)

Voci da lontano, uccelli, denti

la pelle titillata incendia discorsi, imbarazzi

dire io nuovamente in un’altra persona.

 

Allora lei già gridava: “non voglio accampare pretesti”.

C’era una volta una donna

ciascuno in lei voleva eternarsi

spruzzare in lei il suo seme, piantarci

alberi, abbattere, imprimere il timbro del vaccino

medici al capezzale dei corpi morenti

(terapie, annidate nella morte

catalogate con cura, la quiete dei corpi

nel riposo serale, immotivata, non ha alcun senso

ginnastica di sensazioni, ogni singolo schiocco

nelle giunture richiede una diagnosi professionale)

ciascuno su di lei vorrebbe rotolarsi, ma lei si raddrizza

e sottrae. Parla solo della mia fobia

poi parlo io, diceva, della tua ingenuità

che il naturale sia naturale, una possibile totalità

anche tu, gridò lei, la voce le si accavallò

io le tenevo la testa come a uno che stia vomitando

poi quella frase, che lei senza volerlo

furiosa, esasperata, espulse, ora le scorrevano

anche lacrime lungo il dorso del naso

gocciavano, gocciavano, ogni frase

poteva staccarsi da lei, diventare

frase esemplare, anche nella mia antologia

lei si rotolò sul tappeto,

nei libri di testo di una storia senza storia

non voleva più

cadere nello specchio, scintillante, frantumato

per vedere riflessi i propri frantumi.

Veniva già l’alba, velata, più chiara la luce.

Gli uccelli, gli uccelli, ma noi.

 

Da Corpi di parole. Poesie scelte 1979-2013, in uscita per Edizioni Kolibris.

Traduzione di Chiara De Luca

 

AVT_Ursula-Krechel_8331Ursula Krechel, è nata a Treviri nel 1947. Durante gli studi di Lingua e Letteratura tedesca, Teatro e Storia dell’arte, ha lavorato per giornali ed emittenti radiofoniche della Germania dell’Est. Durante il dottorato all’Università di Colonia, terminato nel 1972, ha lavorato come sceneggiatrice per il teatro di Dortmund e diretto diversi progetti teatrali per giovani detenuti. Due anni dopo è avvenuto il suo debutto a teatro con la pièce Erika (1974), che è stata tradotta in sei lingue. Nel 1977 ha pubblicato la sua prima raccolta poetica, Nach Mainz, cui sono seguiti numerosi volumi di poesia, prosa, saggistica, scritture teatrali e radiofoniche. In Der Übergriff (2001), l’autrice ripercorre le tappe della propria storia, evidenziando le diverse sfaccettature della violenza, delle convenzioni acquisite e dell’auto censura, quella voce che grida incessantemente all’orecchio della donna, chiudendole con violenza la bocca. La stessa Krechel rimase a lungo in silenzio, viaggiò al di là dell’oceano, osservò e infine scrisse, per opporsi alla violenza di quella voce. Se l’orientamento delle prime opere della Krechel era essenzialmente femminista, i temi delle sue opere successive si ampliano e diversificano, la sua lingua poetica si fa più dinamica ed esplosiva. Con grande maestria linguistica e precisione formale, affronta il tema della violenza umana, che appare irrevocabilmente connessa con il desiderio erotico e l’ambizione economica. Ursula Krechel ha ricevuto numerosi premi e riconoscimenti, tra cui l’International Eifel Literature Prize (1994) e il premio Martha Saalfeld (1994). Nel 1997 ha ricevuto il prestigioso premio Elisabeth Langgässer per l’insieme delle sue opere. Nel 2006, grazie a un premio della Fondazione Hermann Hesse, è stata writer in residence a Calw, Attualmente vive e scrive a Berlino, è membro del PEN tedesco e insegna come guest lecturer in numerose università.

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